Vorgeschichte β Die Stille davor
Es fiel nicht sofort auf.
Stille tut das selten.
βEr hat heute kaum gesprochenβ, sagte Vivian, als sie die Tassen abrΓ€umte.
Melanie zuckte mit den Schultern.
βEr hatte einen langen Tag.β
Vivian nickte.
βDas sagt er jetzt oft.β
Am nΓ€chsten Abend saΓ Thomas am Tisch, aΓ langsam, hΓΆrte zu.
Zu aufmerksam, vielleicht.
βAlles okay?β fragte Melanie beilΓ€ufig.
Thomas lΓ€chelte.
βKlar.β
Vivian sah ihn an.
βDu klingst, als wΓΌrdest du etwas auslassen.β
Er schΓΌttelte den Kopf.
βIch hΓΆre nur zu.β
Eine Woche verging.
Dann noch eine.
βEr stellt keine Fragen mehrβ, sagte Vivian eines Abends.
βNicht mal die unnΓΆtigen.β
Melanie runzelte die Stirn.
βVielleicht ist er mΓΌde.β
Vivian zΓΆgerte.
βOder er istβ¦ woanders.β
Sie beobachteten ihn.
Nicht misstrauisch.
Sondern vorsichtig.
Thomas lachte noch.
Aber er blieb nicht mehr hΓ€ngen.
Er erzΓ€hlte nichts Neues.
Er beendete SΓ€tze frΓΌher als sonst.
βFrΓΌher hat er immer nachgehaktβ, sagte Vivian leise.
βJetzt nickt er nur.β
Melanie atmete aus.
βMir ist das auch aufgefallen.β
Eines Abends saΓen Melanie und Vivian allein im Wohnzimmer.
βGlaubst du, er will uns etwas nicht sagen?β fragte Vivian.
Melanie dachte nach.
βIch glaubeβ, sagte sie langsam,
βer weiΓ selbst noch nicht, wie.β
βOder obβ, ergΓ€nzte Vivian.
Sie schwiegen.
βEs ist keine schlechte Stilleβ, sagte Melanie schlieΓlich.
βAber sie istβ¦ gespannt.β
Vivian nickte.
βAls wΓΌrde etwas warten.β
Am nΓ€chsten Morgen stand Thomas lΓ€nger als sonst am Fenster.
Er drehte sich um, als er ihre Blicke spΓΌrte.
βAlles gutβ, sagte er schnell.
Vivian antwortete ruhig:
βDu musst nicht immer sagen, dass alles gut ist.β
Thomas hielt inne.
Dann lΓ€chelte er wieder.
βSchon okay.β
Aber seine Stimme blieb leiser als frΓΌher.
Und zum ersten Mal fragten sich beide dasselbe,
ohne es auszusprechen:
Nicht, ob etwas fehlte β
sondern wann es nicht mehr zu ΓΌbersehen sein wΓΌrde.
Prolog β Zwischen Liebe und Spannung (ΓΌberarbeitet)
Der Bildschirm war noch an.
Melanie hatte ihn nicht gesucht.
Aber als sie die Zeilen sah, wusste sie, dass sie nicht wegsehen konnte.
βVivianβ, sagte sie leise.
Vivian trat nΓ€her, las.
Einmal.
Dann noch einmal.
βDas istβ¦ sehr persΓΆnlichβ, sagte sie schlieΓlich.
Ihre Stimme war ruhig, aber nicht fest.
Melanie nickte.
βZu persΓΆnlich, um zufΓ€llig zu sein.β
Vivian setzte sich.
βIch wusste nicht, dass er so denkt.β
βIch auch nichtβ, antwortete Melanie.
βAber es erklΓ€rt vieles.β
Stille.
βEr wΓΌnscht sich einen Punktβ, sagte Vivian langsam.
βNicht Hilfe. Nicht Trost.β
Sie schluckte.
βEinen Moment, in dem alles klar ist.β
Melanie sah sie an.
βWas fΓΌhlst du dabei?β
Vivian zΓΆgerte.
βAngstβ, sagte sie ehrlich.
Dann leiser:
βWeil ich ihn liebe.β
Melanie legte ihre Hand auf Vivians Arm.
βDas verstehe ich.β
Vivian atmete tief ein.
βUnd gleichzeitigβ¦β
Sie brach ab, suchte nach Worten.
βGleichzeitig?β fragte Melanie sanft.
Vivian sah wieder auf den Bildschirm.
βEs zieht mich anβ, sagte sie.
βDiese Klarheit. Diese EndgΓΌltigkeit.β
Sie schΓΌttelte den Kopf, fast entschuldigend.
βDas macht mir selbst Angst.β
Melanie lΓ€chelte traurig.
βSpannung und Liebe schlieΓen sich nicht aus.β
Eine Pause.
βIch will ihn nicht verletzenβ, sagte Vivian.
βIch weiΓβ, antwortete Melanie.
βAber ich glaube, er fΓΌhlt sich gerade verletzt, weil er nichts sagen darf.β
Vivian nickte langsam.
βVielleicht ist es schlimmer, ihn zu schΓΌtzen, als ihn ernst zu nehmen.β
Stille.
βWenn wir das tunβ, sagte Vivian schlieΓlich,
βdann nur offen. Und nur mit ihm.β
Melanie antwortete ohne ZΓΆgern:
βJa.β
SpΓ€ter standen sie im Baumarkt.
Vivian blieb vor dem Regal stehen.
βIch hΓ€tte nicht gedacht, dass ich das hierβ¦ interessant finde.β
Melanie sah sie an.
βInteressant?β
Vivian nickte.
βWeil es das alles greifbar macht.β
Eine Pause.
βUnd weil es mir zeigt, dass ich es wirklich zulassen wΓΌrde.β
Die lange, schwere Edelstahlstange lag vor ihnen.
KΓΌhl. Klar. UnmissverstΓ€ndlich.
βSie ist kein Werkzeugβ, sagte Vivian schnell.
βNicht dafΓΌr.β
Melanie nickte.
βSie ist ein Zeichen.β
Vivian legte kurz die Hand darauf β zΓΆgernd.
Dann fester.
βIch liebe ihnβ, sagte sie leise.
βAber ich glaubeβ¦ ich will sehen, was passiert, wenn wir nicht mehr ausweichen.β
Melanie sah sie lange an.
βDann gehen wir diesen Schritt gemeinsam.β
SpΓ€ter lehnten sie die Stange im Flur an die Wand.
Sichtbar.
Still.
βEr wird fragenβ, sagte Melanie.
Vivian nickte.
βUnd ich werde ihm sagen, dass ich gezweifelt habe.β
βUnd dass du trotzdem hier bist?β fragte Melanie.
Vivian antwortete ehrlich:
βJa.β
Eine Pause.
βVielleicht gerade deshalb.β
Und beide wussten:
Die Spannung lag nicht im Unbekannten.
Sondern darin,
Liebe nicht lΓ€nger als Ausrede zu benutzen, nichts zu verΓ€ndern.
Thomas blieb im TΓΌrrahmen stehen.
Sein Blick blieb sofort an der Edelstahlstange hΓ€ngen, die sichtbar im Flur lehnte.
Nicht, weil sie bedrohlich war.
Sondern weil sie nicht zufΓ€llig dort stand.
βWarumβ¦ steht die da?β fragte er schlieΓlich.
Melanie antwortete nicht sofort.
Sie sah Vivian an.
Vivian atmete tief ein.
βPapaβ, sagte sie ruhig, βwir mΓΌssen mit dir reden.β
Thomasβ Stirn legte sich in Falten.
βDas klingt nie gut.β
βDochβ, sagte Melanie leise. βDieses Mal schon.β
Thomas sah zwischen ihnen hin und her.
βHab ich etwas falsch gemacht?β
Vivian schΓΌttelte sofort den Kopf.
βNein. Du hast etwas gedacht.β
Stille.
βWas meinst du?β fragte er vorsichtig.
Melanie trat einen Schritt nΓ€her.
βWir haben etwas auf deinem Computer gesehenβ, sagte sie offen.
βNicht gesucht. Nicht gelesen, um dich zu kontrollieren.β
Thomasβ Schultern spannten sich.
βIhr habtβ¦?β
Vivian unterbrach ihn sanft.
βWir haben verstanden.β
Er lachte kurz, unsicher.
βDas bezweifle ich.β
βDu willst einen Punktβ, sagte Vivian ruhig.
βNicht Trost. Nicht Aufschub.β
Sie schluckte.
βEinen Moment, in dem nichts mehr offen ist.β
Thomasβ Gesicht verΓ€nderte sich.
βDasβ¦β, begann er und brach ab.
βDas war nicht fΓΌr euch.β
Melanie antwortete sofort:
βAber es betrifft uns.β
Thomas wandte sich an Vivian.
βDu solltest das nicht wissen.β
Vivian trat nΓ€her.
βVielleicht nichtβ, sagte sie ehrlich.
βAber jetzt weiΓ ich es. Und ich nehme dich ernst.β
Er sah sie an, lange.
βDu klingst nicht wΓΌtend.β
βNeinβ, sagte sie.
βIch hatte Zweifel.β
Eine Pause.
βWeil ich dich liebe.β
Thomasβ Stimme wurde leiser.
βUnd jetzt?β
Vivian war ehrlich:
βJetzt finde ich esβ¦ spannend.β
Er blinzelte.
βSpannend?β
Vivian nickte langsam.
βWeil es ehrlich ist. Und weil es dich zeigt, wie ich dich selten gesehen habe.β
Thomas sah zu Melanie.
βUnd du?β
Melanie hielt seinem Blick stand.
βIch habe mich erleichtert gefΓΌhltβ, sagte sie ruhig.
βWeil du endlich nicht mehr alles allein tragen musst.β
Thomas schΓΌttelte den Kopf.
βIhr macht daraus etwas GrΓΆΓeres, als es ist.β
Vivian deutete auf die Edelstahlstange.
βNeinβ, sagte sie ruhig.
βWir machen es sichtbar.β
βDas ist kein Werkzeugβ, fΓΌgte Melanie hinzu.
βEs ist ein Zeichen.β
Thomas lachte leise, fast bitter.
βEin Zeichen wofΓΌr?β
Vivian antwortete ohne ZΓΆgern:
βDass wir bereit sind, diesen Wunsch nicht wegzuerklΓ€ren.β
Stille.
βIhr wollt, dass es passiertβ, sagte Thomas schlieΓlich.
βWir wollenβ, korrigierte Melanie sanft,
βdass du dir erlaubst, es zu wollen.β
Thomas schloss kurz die Augen.
βUnd wenn ich es nicht mehr will, sobald ich es laut sage?β
Vivian trat ganz nah.
βDann hΓΆren wir aufβ, sagte sie sofort.
βAber wir hΓΆren nicht auf, zuzuhΓΆren.β
Melanie nickte.
βDu entscheidest.β
Thomas atmete tief ein.
βIhr setzt mich unter Druck.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βNein.β
Leiser:
βWir nehmen dir den Druck ab, so zu tun, als gΓ€be es diesen Wunsch nicht.β
Eine lange Pause.
Thomasβ Blick wanderte noch einmal zur Edelstahlstange.
Dann zurΓΌck zu Vivian.
βDu hast gezweifeltβ, sagte er leise.
Vivian nickte.
βJa.β
βUnd bist trotzdem hier.β
βJaβ, sagte sie ruhig.
βWeil Liebe nicht bedeutet, alles weich zu machen.β
Melanie trat nΓ€her.
βManchmal bedeutet sie, gemeinsam hinzusehen.β
Thomas schluckte.
βDannβ¦β, begann er,
βdann mΓΌsst ihr mir Zeit geben.β
Vivian antwortete sofort:
βZeit ja.β
Eine Pause.
βAusweichen nein.β
Thomas nickte langsam.
βDann reden wir.β
Vivian lΓ€chelte leicht.
Nicht erleichtert.
Sondern gespannt.
Und in diesem Moment war klar:
Es war nichts entschieden.
Aber nichts mehr verborgen.
Vorwort - Die Beschaffung β Spannung in den HΓ€nden
Der Laden roch nach Metall und Staub.
Vivian merkte sofort, wie ihr Herz schneller schlug β nicht aus Angst, sondern aus Erwartung.
βWir kΓΆnnten auch wieder gehenβ, sagte sie leise, fast beilΓ€ufig.
Melanie blieb stehen.
βWillst du das?β
Vivian zΓΆgerte.
βNeinβ, sagte sie ehrlich.
Dann, nach einer Pause:
βAber ich will wissen, warum ich es nicht will.β
Melanie nickte.
βMir geht es genauso.β
Sie gingen weiter.
Vivian lieΓ ihren Blick ΓΌber die Regale gleiten.
βEs fΓΌhlt sich komisch anβ, sagte sie.
βAls wΓΌrden wir etwas Konkretes anfassen, das bisher nur in Gedanken existiert hat.β
Melanie sah sie an.
βUnd das macht es real.β
Vivian atmete tief ein.
βJa. Und genau das macht mich nervΓΆs.β
Leiser:
βUnd neugierig.β
Melanie lΓ€chelte schwach.
βIch habe mich dabei ertappt, dass ich mich darauf freue.β
Dann sofort ehrlich:
βUnd mich dafΓΌr verurteilt habe.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βIch glaube, das ist keine Freude im falschen Sinn.β
Sie blieb stehen.
βEs ist die Erleichterung, nicht mehr auszuweichen.β
Vor ihnen lag die lange, schwere Edelstahlstange.
Vivian blieb wie angewurzelt stehen.
βDa ist sie.β
Melanie trat nΓ€her.
βSie istβ¦ schlicht.β
βUnd genau deshalb so eindeutigβ, sagte Vivian.
Ihre Stimme war ruhig, aber angespannt.
Sie streckte die Hand aus β zog sie zurΓΌck.
βIch liebe ihnβ, sagte sie leise.
βUnd trotzdem fΓΌhlt sich das hierβ¦ richtig an.β
Melanie legte ihre Hand ΓΌber Vivians.
βVielleicht gerade deshalb.β
Vivian schluckte.
βIch habe Angst, dass ich das spannend finde.β
Melanie sah sie offen an.
βIch auch.β
Stille.
βNicht spannend im Sinne von leichtβ, fuhr Melanie fort.
βSondern im Sinne von: Endlich passiert etwas Echtes.β
Vivian nickte langsam.
βAls wΓΌrde man an einer Grenze stehen und wissen, dass man sie ΓΌberschreiten will.β
βUnd trotzdem hoffen, dass jemand sagt, man mΓΌsse es nichtβ, sagte Melanie.
Vivian lΓ€chelte kurz.
βAber niemand sagt das.β
Sie nahmen die Stange gemeinsam.
Nicht hastig.
Nicht entschlossen genug, um die Zweifel zu vertreiben.
βSie ist schwerβ, sagte Vivian.
βJaβ, antwortete Melanie.
βUnd ich bin froh darΓΌber.β
Vivian sah sie an.
βWarum?β
βWeil es nichts ist, das man aus Versehen tutβ, sagte Melanie ruhig.
βUnd nichts, das man spΓ€ter kleinreden kann.β
Vivian atmete tief ein.
βIch frage mich, ob er es merkt.β
Melanie nickte.
βEr wird es merken.β
βUnd wenn er Nein sagt?β fragte Vivian leise.
Melanie antwortete ohne ZΓΆgern:
βDann hΓΆren wir zu.β
Eine Pause.
βUnd wenn er Ja sagt?β
Vivian sah auf das Metall in ihren HΓ€nden.
βDann hΓΆren wir noch genauer hin.β
Sie gingen zur Kasse.
Jeder Schritt fΓΌhlte sich bewusster an als der letzte.
DrauΓen blieb Vivian stehen.
βIch hΓ€tte nicht gedacht, dass sich Zweifel und Entschlossenheit so Γ€hnlich anfΓΌhlen.β
Melanie lΓ€chelte.
βVielleicht tun sie das immer β kurz bevor etwas Wichtiges passiert.β
Vivian nickte langsam.
βDann ist das hierβ¦ der Anfang.β
Melanie antwortete leise:
βJa.β
Nicht von etwas GefΓ€hrlichem.
Sondern von etwas,
das sich nicht mehr ignorieren lieΓ.
Kapitel 1 β Es muss ausgesprochen werden (ΓΌberarbeitet, Option A)
βSag es endlichβ, sagte Vivian.
Ihre Stimme war ruhig, aber sie lieΓ keinen Raum mehr.
Thomas hielt inne, die Hand noch an der Tasse.
βWas denn?β fragte er.
βDass wir so nicht weitermachenβ, antwortete sie sofort.
βDass dieses Schweigen nichts mehr schΓΌtzt.β
Melanie sah zwischen ihnen hin und her.
βVivianβ¦β
βNeinβ, unterbrach Vivian sie sanft. βNicht wieder beruhigen. Nicht heute.β
Thomas setzte sich langsam.
βIhr macht Druck.β
Vivian nickte.
βJa. Weil es sonst nie passiert.β
Melanie atmete tief ein.
βIch habe Angst davorβ, sagte sie leise.
Dann, nach einer Pause:
βAber noch mehr Angst davor, dass wieder nichts geschieht.β
Thomas sah sie an.
βDu meinst das ernst.β
βJaβ, sagte Melanie. βIch halte dieses Dazwischen nicht mehr aus.β
Vivian trat nΓ€her.
βEs gibt einen Punktβ, sagte sie ruhig, βan dem Warten feige wird.β
Thomasβ Stimme wurde schΓ€rfer.
βFeige? Ich versuche, uns zusammenzuhalten.β
Vivian hielt seinem Blick stand.
βNein. Du versuchst, alles so zu lassen, wie es ist.β
Stille.
βUnd das reicht nicht mehrβ, fΓΌgte sie hinzu.
Melanie nickte langsam.
βIch habe gemerkt, dass ich innerlich schon weiter bin.β
Sie schluckte.
βIch war nur zu vorsichtig, es auszusprechen.β
Thomas rieb sich ΓΌber das Gesicht.
βUnd jetzt sprecht ihr beide, als gΓ€be es kein ZurΓΌck.β
Vivian antwortete ohne ZΓΆgern:
βWeil es das fΓΌr mich nicht mehr gibt.β
βFΓΌr mich auch nichtβ, sagte Melanie.
Thomas sah sie an, erst die eine, dann die andere.
βIhr wollt also, dass es passiert.β
Vivian nickte.
βJa.β
βHeute?β fragte er leise.
βHeute beginnt esβ, antwortete sie.
βNicht morgen. Nicht irgendwann.β
Melanie sagte ruhig:
βIch brauche diese Entscheidung, um wieder atmen zu kΓΆnnen.β
Thomasβ Stimme zitterte.
βUnd was ist mit mir?β
Vivian trat nΓ€her.
βDu bist Teil davonβ, sagte sie.
βAber du hΓ€ltst es nicht mehr auf.β
Er schwieg.
βEs fΓΌhlt sich schwer anβ, murmelte er schlieΓlich.
Vivian sah kurz zur Seite, dorthin, wo die lange, schwere Edelstahlstange lehnte β unbewegt, unbenutzt, nur als stilles Zeichen.
βJaβ, sagte sie.
βEntscheidungen haben Gewicht.β
Melanie folgte ihrem Blick.
βAber genau das gibt mir Sicherheit.β
Thomas hob den Kopf.
βIhr seid euch erschreckend sicher.β
Vivian antwortete klar:
βWeil ich nicht mehr bereit bin, zurΓΌckzuweichen.β
Melanie nickte.
βUnd ich auch nicht.β
Eine lange Pause.
Thomas atmete tief ein.
βDannβ¦ passiert es also.β
Vivian sagte ruhig, endgΓΌltig:
βJa.β
Und zum ersten Mal widersprach niemand mehr.
Kapitel 2 β Wenn Γberzeugung lauter wird (ΓΌberarbeitet)
βSag es nichtβ, sagte Vivian, noch bevor Thomas den Satz zu Ende bringen konnte.
Er hielt inne.
βWas?β
ββEs wird schonββ, antwortete sie ruhig. βSag es heute bitte nicht.β
Melanie sah von einem zum anderen.
βIch glaube, ich mΓΆchte das auch nicht mehr hΓΆren.β
Thomas seufzte.
βIhr tut so, als wΓ€re Hoffnung etwas Schlechtes.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βHoffnung ist nicht schlechtβ, sagte sie. βAber sie ersetzt keine Entscheidung.β
Melanie nickte langsam.
βIch habe gemerkt, dass ich mich jedes Mal zusammenreiΓe, wenn wir hoffen.β
Eine Pause.
βUnd dass ich aufatme, wenn wir ehrlich sind.β
Thomas sah sie an.
βDu klingst, als hΓ€ttest du dich innerlich schon entschieden.β
βDas habe ichβ, sagte Melanie ohne ZΓΆgern.
βIch habe nur gewartet, ob ich mich traue, es laut zu sagen.β
Vivian lΓ€chelte leicht.
βUnd jetzt tust du es.β
Thomas rieb sich ΓΌber die Stirn.
βIhr redet von einem Ende, als wΓ€re esβ¦ notwendig.β
Vivian antwortete sofort:
βFΓΌr mich ist es das.β
Melanie ergΓ€nzte, ruhig und fest:
βFΓΌr mich auch.β
Thomas hob den Blick.
βUnd wo bleibe ich dabei?β
Vivian trat nΓ€her.
βDu endest dabeiβ, sagte sie.
βAber du ziehst uns nicht zurΓΌck.β
βWas, wenn ich noch Zeit brauche?β fragte er leise.
Melanie schΓΌttelte den Kopf.
βZeit hatten wirβ, sagte sie.
βWas wir jetzt brauchen, ist Klarheit.β
Vivian nickte.
βUnd ich spΓΌre sie sehr deutlich.β
Thomasβ Stimme wurde brΓΌchig.
βIhr seid euch so sicher.β
Vivian antwortete ruhig:
βWeil Unsicherheit uns hierher gebracht hat.β
Melanie sah ihn an.
βIch habe keine Zweifel mehrβ, sagte sie.
βUnd das fΓΌhlt sichβ¦ stark an.β
Thomas schwieg einen Moment.
βUnd wenn ich diese StΓ€rke nicht habe?β
Vivian hielt seinem Blick stand.
βDann leihen wir sie dirβ, sagte sie.
βAber wir geben sie nicht wieder her.β
Melanie atmete tief ein.
βIch mΓΆchte nicht mehr zurΓΌckrudernβ, sagte sie leise.
Dann fester:
βIch mΓΆchte vorwΓ€rts gehen.β
Thomas nickte langsam.
βDann ist das also kein Gedanke mehr.β
Vivian antwortete klar:
βNein. Es ist eine Entscheidung.
Kapitel 3 β NΓ€he, die nicht mehr ausweicht (ΓΌberarbeitet)
Thomas saΓ am Tisch, als Melanie stehenblieb.
βDu schaust sie anβ, sagte sie ruhig.
Er hob den Blick.
βWas?β
βDie Stangeβ, antwortete sie sofort. βDu tust so, als wΓ€re sie zufΓ€llig da.β
Thomas senkte den Blick wieder.
βIch hoffe, dass sie es ist.β
Melanie schΓΌttelte den Kopf.
βSie ist es nicht.β
Dann leiser, aber fester:
βUnd genau das beruhigt mich.β
Thomas sah sie an.
βBeruhigt?β
βJaβ, sagte Melanie. βWeil sie mir sagt, dass wir nicht mehr fliehen.β
Er rieb sich ΓΌber die HΓ€nde.
βDu redest, als wΓ€re das Finale etwas, das du brauchst.β
Melanie zΓΆgerte nicht.
βDas tue ich.β
Stille.
βIch habe mich lange dagegen gewehrtβ, fuhr sie fort.
βAber je nΓ€her es rΓΌckt, desto klarer werde ich.β
Thomasβ Stimme war brΓΌchig.
βUnd ich werde unsicherer.β
Melanie trat nΓ€her.
βDas ist in Ordnungβ, sagte sie.
βIch halte das fΓΌr uns beide.β
Er sah sie an.
βDu hΓ€ltst sehr viel.β
βIch halte das Endeβ, antwortete sie ruhig.
βUnd es fΓΌhlt sich an, als hΓ€tte ich endlich etwas in der Hand.β
Thomas schluckte.
βUnd ich bin Teil davon?β
Melanie nickte sofort.
βJa. Nicht auΓen vor. Nicht zurΓΌckgelassen.β
βUnd trotzdemβ¦β, begann er.
ββ¦ halte ich nicht anβ, beendete sie den Satz.
Nicht hart. Entschlossen.
Eine Pause.
βDu liebst mich?β fragte Thomas leise.
Melanie sah ihn lange an.
βJaβ, sagte sie. βSo sehr, dass ich dieses Finale brauche.β
Dann ehrlicher:
βOhne es verliere ich mich.β
Thomasβ Augen fΓΌllten sich.
βUnd wenn ich dich dabei verliere?β
Melanie schΓΌttelte den Kopf.
βNeinβ, sagte sie. βDu gehst mit mir bis hierher.β
Eine kurze Pause.
βAber danach darfst du mich nicht mehr aufhalten.β
Er flΓΌsterte:
βDu bist versessen darauf.β
Melanie nickte.
βJa.β
Ohne Scham.
βWeil es mir Sicherheit gibt.β
Thomas atmete tief ein.
βUnd die Stangeβ¦?β
Melanie folgte seinem Blick.
βSie macht es realβ, sagte sie.
βUnd genau das brauche ich.β
Er schloss kurz die Augen.
βDann bist du weiter als ich.β
Melanie trat noch einen Schritt nΓ€her.
βVielleichtβ, sagte sie sanft.
βAber ich lasse dich nicht allein zurΓΌck.β
Thomas ΓΆffnete die Augen.
βUnd wenn ich zΓΆgere?β
Melanie antwortete ruhig, fest:
βDann halte ich dich.β
Eine Pause.
βAber ich gehe weiter.β
Aus dem Hintergrund sagte Vivian leise:
βUnd ich gehe mit.β
Melanie nickte, ohne den Blick von Thomas zu nehmen.
βSiehst duβ, sagte sie. βWir sind bereit.β
Thomas atmete aus.
βDannβ¦ gehe ich mit.β
Melanie legte ihre Hand auf seine.
βDas reichtβ, sagte sie.
βMehr brauche ich nicht.β
Die Edelstahlstange blieb sichtbar im Raum.
Nicht als Drohung.
Sondern als das,
worauf Melanie lΓ€ngst zuging.
Kapitel 3 β Vivian und Thomas (noch dialogischer, entschlossener)
βDu weichst mir ausβ, sagte Vivian leise.
Thomas sah nicht auf.
βIch versuche, dich zu schΓΌtzen.β
βNeinβ, antwortete sie sofort. βDu versuchst, mich aufzuhalten.β
Er atmete tief ein.
βDu bist meine Tochter.β
Vivian trat nΓ€her.
βUnd genau deshalb rede ich mit dir so offen.β
Thomas hob den Blick.
βDann sag mir, dass du zweifelst.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βDas wΓ€re gelogen.β
Eine Pause.
βGar nicht?β fragte er.
βNeinβ, sagte sie ruhig. βIch habe Respekt. Aber keinen Zweifel.β
Thomasβ Stimme wurde brΓΌchig.
βDu willst das wirklich.β
βJaβ, antwortete Vivian ohne ZΓΆgern.
βIch will dieses Finale.β
Er schluckte.
βSo sehr?β
Vivian nickte.
βMehr, als ich erklΓ€ren kann.β
Thomas rieb sich ΓΌber das Gesicht.
βUnd ich? Wo bleibe ich dabei?β
Vivian sah ihn lange an.
βDu bleibst bei mirβ, sagte sie.
βAber du hΓ€ltst mich nicht zurΓΌck.β
βWas, wenn ich darum bitte?β fragte er leise.
Vivian antwortete sofort:
βDann hΓΆre ich dich.β
Eine kurze Pause.
βAber ich Γ€ndere meine Entscheidung nicht.β
Thomasβ Augen fΓΌllten sich.
βDas tut weh.β
Vivian nickte.
βMir auch.β
Dann fester:
βAber es tut weniger weh als weiter zu warten.β
βDu hast keine Angst?β fragte er.
βDochβ, sagte sie ehrlich.
βAber meine Entschlossenheit ist grΓΆΓer.β
Thomas sah sie an.
βDu gehst also weiter, egal, was ich sage.β
Vivian hielt seinem Blick stand.
βJa.β
βAuch wenn ich dich brauche?β
βGerade dannβ, sagte sie ruhig.
βWeil ich sonst mich selbst verliere.β
Thomas flΓΌsterte:
βIch dachte, Liebe hΓ€lt auf.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βLiebe hΓ€lt aus.β
Stille.
βSag mir wenigstensβ, bat er, βdass ich wichtig bin.β
Vivian trat ganz nah.
βDu bist der Grund, warum mir das nicht egal ist.β
Eine Pause.
βAber nicht der Grund, warum ich anhalte.β
Thomas schloss kurz die Augen.
βDann ist das also dein Weg.β
Vivian nickte.
βUnd ich gehe ihn bewusst.β
βBis zum Ende?β fragte er kaum hΓΆrbar.
Vivian antwortete klar, ohne ZΓΆgern:
βBis zum Ende.β
Thomas atmete tief ein.
βDannβ¦ gehe ich mit.β
Vivian legte ihre Hand auf seine.
βDas reicht.β
Zwischen ihnen blieb kein Zweifel mehr.
Kapitel 4 β Wenn die Entscheidung greifbar wird (ΓΌberarbeitet)
Der Morgen war stiller als sonst.
Zu still, um zufΓ€llig zu sein.
Melanie blieb im Flur stehen.
βSie steht immer noch daβ, sagte sie.
Thomas folgte ihrem Blick.
βIch dachte, wirβ¦ reden erst noch.β
Vivian trat dazu, ohne Eile.
βWir reden seit Wochenβ, sagte sie ruhig. βJetzt sehen wir hin.β
Thomasβ Stimme war leise.
βIhr macht es absichtlich konkret.β
Vivian nickte.
βJa.β
Melanie atmete tief ein, fast erleichtert.
βDas tut gutβ, sagte sie. βEndlich nichts mehr verschwimmen lassen.β
Thomas sah sie an.
βDu klingst, als wΓΌrdest du dich darauf freuen.β
Melanie zΓΆgerte nicht.
βDas tue ich.β
Stille.
βNicht auf das Danachβ, fΓΌgte sie hinzu.
βSondern darauf, dass dieses Warten endet.β
Vivian lΓ€chelte leicht.
βGenau das.β
Dann, mit hΓΆrbarer Spannung in der Stimme:
βIch habe das GefΓΌhl, wir stehen kurz vor etwas Wichtigem.β
Thomas schΓΌttelte langsam den Kopf.
βIhr redet, als wΓ€re dasβ¦ ein Ziel.β
Vivian sah ihn fest an.
βFΓΌr mich ist es das.β
Melanie nickte sofort.
βFΓΌr mich auch. Ich habe mich lange nicht mehr so sicher gefΓΌhlt.β
Thomasβ HΓ€nde ballten sich.
βUnd meine Unsicherheit?β
Vivian trat nΓ€her.
βDie darf da seinβ, sagte sie ruhig.
βAber sie fΓΌhrt nicht mehr.β
Melanie legte ihm die Hand auf den Arm.
βIch brauche diese Klarheitβ, sagte sie leise.
Dann fester:
βUnd sie fΓΌhlt sich richtig an.β
Vivian nahm die lange, schwere Edelstahlstange in den Blick, ohne sie zu berΓΌhren.
βSie ist nicht neuβ, sagte sie. βSie war die ganze Zeit da.β
Thomas sah sie an.
βUnd jetzt darf ich nicht mehr wegsehen.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βNein.β
Melanie lΓ€chelte β ruhig, fast gespannt.
βIch bin froh, dass sie da ist.β
Thomas hob den Blick.
βWarum?β
βWeil sie mir sagt, dass wir es ernst meinenβ, antwortete Melanie.
βUnd das beruhigt mich.β
Vivian nickte.
βMich auch.β
Eine kurze Pause.
βIch freue mich darauf, loszugehen.β
Thomas atmete tief ein.
βIhr seid euch sicher.β
Vivian antwortete ohne ZΓΆgern:
βJa.β
Melanie ergΓ€nzte:
βMehr als je zuvor.β
Thomas sah zwischen ihnen hin und her.
βDannβ¦ bleibt mir wohl nur noch, mitzuhalten.β
Vivian lΓ€chelte sanft.
βNicht mitzuhaltenβ, sagte sie.
βMitzugehen.β
Melanie nickte.
βGemeinsam.β
Der Flur schwieg.
Aber die Entscheidung tat es nicht mehr.
Kapitel 5 β Der Weg fΓΌhlt sich richtig an (ΓΌberarbeitet)
Vivian ging voraus, nicht hastig, sondern mit einer Ruhe, die fast ansteckend war.
βEs ist seltsamβ, sagte Melanie nach ein paar Schritten.
βIch dachte, ich wΓΌrde nervΓΆser sein.β
Vivian lΓ€chelte, ohne sich umzudrehen.
βIch auch. Aber ich bin es nicht.β
Thomas folgte ihnen, etwas langsamer.
βIhr klingt, als hΓ€ttet ihr euch darauf vorbereitet.β
Vivian blieb kurz stehen.
βDas haben wirβ, sagte sie. βNur nicht heute. Schon lange.β
Melanie nickte sofort.
βIch habe das GefΓΌhl, als wΓΌrde ich endlich ankommen.β
Dann ehrlich:
βIch freue mich darauf, dass wir gleich da sind.β
Thomas sah sie an.
βDu benutzt dieses Wort sehr leicht.β
Melanie schΓΌttelte den Kopf.
βNein. Ich benutze es bewusst.β
Vivian drehte sich um.
βDas hier ist kein Sprung ins Unbekannteβ, sagte sie ruhig.
βEs ist der letzte Schritt von etwas, das wir lΓ€ngst gegangen sind.β
Thomas atmete tief ein.
βUnd ihr seid sicher.β
Vivian antwortete ohne ZΓΆgern:
βJa.β
Melanie ergΓ€nzte:
βSo sicher wie noch nie.β
Thomasβ Stimme zitterte leicht.
βUnd wenn ich es nicht bin?β
Vivian trat nΓ€her.
βDann gehen wir trotzdem gemeinsamβ, sagte sie.
βSicherheit heiΓt nicht, keine Angst zu haben.β
Melanie legte Thomas kurz die Hand auf den Arm.
βIch habe keine Zweifel mehrβ, sagte sie fest.
βUnd das fΓΌhlt sich unglaublich gut an.β
Thomas sah zwischen ihnen hin und her.
βIhr gebt mir das GefΓΌhl, als wΓ€re dasβ¦ richtig.β
Vivian nickte.
βWeil es das fΓΌr uns ist.β
Melanie lΓ€chelte β nicht euphorisch, sondern ruhig, getragen.
βIch habe mich selten so klar gefΓΌhlt.β
Thomas schluckte.
βIhr habt euch verabschiedet.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βNein. Wir haben uns entschieden.β
Melanie ergΓ€nzte leise:
βUnd diese Entscheidung trΓ€gt mich.β
Vivian nahm die lange, schwere Edelstahlstange fester in den Blick.
βAb jetztβ, sagte sie ruhig, βwird alles einfacher.β
Thomas hob den Kopf.
βEinfacher?β
Vivian nickte.
βJa. Weil wir nicht mehr ΓΌberlegen mΓΌssen.β
Melanie atmete tief ein.
βIch bin bereit.β
Vivian lΓ€chelte.
βIch auch.β
Thomas ging weiter.
Langsam, aber ohne stehenzubleiben.
Und zum ersten Mal hatte er das GefΓΌhl,
dass er nicht gezogen wurde β
sondern begleitet.
Kapitel 6 β Der Ort trΓ€gt das Versprechen (ΓΌberarbeitet)
Vivian blieb stehen, als hΓ€tte sie genau auf diesen Punkt gewartet.
βHierβ, sagte sie. βSpΓΌrst du das?β
Melanie trat neben sie, sah sich um, atmete ein.
βJaβ, sagte sie sofort. βEs istβ¦ ruhig. Endlich ruhig.β
Thomas blieb einen Schritt zurΓΌck.
βRuhig oder leer?β fragte er.
Vivian drehte sich zu ihm.
βRuhigβ, wiederholte sie. βLeer wΓ€re, wenn wir uns noch fragen mΓΌssten, ob wir richtig sind.β
Melanie nickte, fast lΓ€chelnd.
βIch habe mich auf diesen Moment gefreutβ, sagte sie offen.
βNicht auf das Danach. Auf jetzt.β
Thomas sah sie an.
βDu klingst, als wΓ€rst du erleichtert.β
βIch bin erleichtertβ, antwortete Melanie ohne ZΓΆgern.
βSeit wir hier stehen, fΓΌhlt es sich an, als wΓΌrde etwas in mir endlich aufhΓΆren zu ziehen.β
Vivian trat ein paar Schritte weiter, prΓΌfte den Raum mit einem Blick.
βEs passtβ, sagte sie leise, aber bestimmt.
Dann mit hΓΆrbarer Spannung in der Stimme:
βIch habe mir das so oft vorgestellt.β
Thomas schluckte.
βVorgestellt?β
Vivian nickte.
βNicht das Wie. Nur das GefΓΌhl, hier zu sein.β
Sie lΓ€chelte.
βUnd es ist genau so, wie ich dachte.β
Melanie trat zu ihr.
βIch auchβ, sagte sie. βDieses Wissen, dass wir nicht mehr zurΓΌckgehen.β
Thomas schΓΌttelte langsam den Kopf.
βIhr redet darΓΌber, als wΓ€re das ein Ziel.β
Vivian sah ihn ruhig an.
βFΓΌr mich ist es das.β
Melanie ergΓ€nzte sofort:
βFΓΌr mich auch. Ich habe mich lange nicht mehr so sicher gefΓΌhlt.β
Thomasβ Stimme war leise.
βUnd ich habe Angst.β
Vivian nickte.
βDie gehΓΆrt dazu.β
Melanie legte ihm kurz die Hand auf den Arm.
βAber sie Γ€ndert nichts.β
Vivian stellte die lange, schwere Edelstahlstange so ab, dass sie nicht zu ΓΌbersehen war.
βAb hierβ, sagte sie, βreden wir nicht mehr darΓΌber, ob.β
Melanie sah auf die Stange β und lΓ€chelte leicht.
βIch bin froh, dass sie da ist.β
Thomas hob den Blick.
βWarum?β
Melanie antwortete ruhig:
βWeil sie mir sagt, dass wir es ernst meinen.β
Vivian nickte zustimmend.
βUnd weil sie mich ruhig macht.β
Eine Pause.
βIch bin gespanntβ, sagte sie offen. βSo gespannt wie lange nicht mehr.β
Thomas sah sie an.
βDu freust dich.β
Vivian hielt seinem Blick stand.
βJaβ, sagte sie klar. βIch freue mich darauf, dass es gleich soweit ist.β
Melanie atmete tief ein.
βIch auch.β
Thomas schloss kurz die Augen.
βDannβ¦ sind wir also da.β
Vivian antwortete ruhig, mit einem leichten LΓ€cheln:
βJa.β
Melanie sagte leise, fast dankbar:
βEndlich.β
Der Raum schwieg.
Aber er war bereit.
________________________________________
Kapitel 7 β Das Finale (maximal ausgedehnt, kreisend, druckvoll)
Thomas blieb stehen. Nicht, weil ihn jemand aufhielt β sondern weil der Raum es tat.
Sein Blick ging wieder zur langen, schweren Edelstahlstange.
βIch sehe sieβ, sagte er leise. βUnd ich wΓΌnschte, ich wΓΌrde sie nicht sehen.β
Vivian antwortete sofort:
βIch will, dass du sie siehst.β
Melanie nickte.
βIch auch.β
Thomasβ Stimme zitterte.
βDamit ich weiΓ, dass es vorbei ist?β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βDamit du weiΓt, dass es jetzt ist.β
βJetztβ, wiederholte er. βDieses Wort verfolgt mich.β
Melanie trat nΓ€her.
βMich trΓ€gt esβ, sagte sie. βIch habe lange auf dieses Jetzt gewartet.β
Thomas sah sie an.
βDu klingst, als hΓ€ttest du dich darauf gefreut.β
Melanie zΓΆgerte nicht.
βDas habe ich.β
Stille.
Thomas wandte sich an Vivian.
βUnd du? Sag mir, dass es dir nicht so geht.β
Vivian sah ihn an, offen.
βDochβ, sagte sie. βIch bin gespannt.β
βGespannt?β Seine Stimme brach fast.
βWie kannst du gespannt sein?β
Vivian antwortete ruhig:
βWeil Spannung bedeutet, dass etwas zu Ende geht.β
Thomas schloss kurz die Augen.
βIch fΓΌhle mich, als wΓΌrde ich euch verlieren.β
Melanie antwortete sofort:
βNein. Du hΓ€ltst uns nicht mehr fest β das ist alles.β
Vivian ergΓ€nzte:
βWir verlieren uns, wenn wir es nicht tun.β
Thomas flΓΌsterte:
βUnd wenn ich nicht loslassen kann?β
Melanie sagte fest:
βDann tragen wir das fΓΌr dich.β
Vivian nickte.
βAber wir halten nicht an.β
Thomas ΓΆffnete die Augen.
βIhr sagt das immer wieder.β
Vivian:
βWeil du hoffst, dass es sich Γ€ndert.β
Melanie:
βUnd es Γ€ndert sich nicht.β
Thomasβ Blick glitt wieder zur Edelstahlstange.
βSie steht da wie ein Urteil.β
Vivian widersprach ruhig:
βNein. Wie eine Entscheidung.β
βUnd dahinter?β fragte er.
Melanie antwortete leise, aber bestimmt:
βFrieden.β
Thomas lachte kurz, heiser.
βFΓΌr euch vielleicht.β
Vivian trat einen Schritt nΓ€her.
βAuch fΓΌr dichβ, sagte sie.
βNur nicht so, wie du es dir wΓΌnschst.β
Thomasβ Stimme wurde flehend.
βSag mir, dass ihr mich braucht.β
Vivian antwortete sofort:
βIch brauche dich.β
Melanie:
βIch auch.β
Thomasβ Schultern sanken.
βUnd trotzdemβ¦β
Vivian:
βUnd trotzdem gehe ich weiter.β
Melanie:
βUnd ich erst recht.β
Thomas flΓΌsterte:
βDann ist meine Angst egal.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βNein. Sie ist da.β
Melanie ergΓ€nzte:
βAber sie entscheidet nicht.β
Thomas sah sie an.
βWer dann?β
Vivian antwortete ohne ZΓΆgern:
βWir.β
Stille, schwer.
Thomasβ Blick kehrte zur langen, schweren Edelstahlstange zurΓΌck.
βDie alsoβ, sagte er wieder. βImmer wieder die.β
Vivian nickte.
βWeil sie nichts verspricht.β
Melanie sagte:
βUnd nichts hinauszΓΆgert.β
Thomas atmete tief ein.
βWenn ich euch jetzt bitteβ¦β
Vivian unterbrach ihn sanft, aber bestimmt:
βPapa. Bitte mich nicht.β
Melanie sah ihn an.
βIch kann das nicht hΓΆrenβ, sagte sie ehrlich. βIch wΓΌrde schwach werden.β
Thomas schluckte.
βAlso schΓΌtzt ihr euch vor mir.β
Vivian antwortete ruhig:
βJa.β
Melanie nickte.
βDamit wir danach weiterleben kΓΆnnen.β
Thomasβ Stimme brach.
βUm jeden Preis?β
Melanie antwortete ohne ZΓΆgern:
βUm jeden Preis.β
Thomas sah Vivian an.
βUnd du gehst mit.β
Vivian nickte.
βIch gehe vor.β
Eine lange Pause.
Thomas flΓΌsterte:
βDann bleibt mir nur noch eines.β
Vivian sah ihn an.
βWas?β
βBei euch zu bleibenβ, sagte er. βBis zum Ende.β
Melanie trat nΓ€her.
βDas reichtβ, sagte sie.
Vivian nickte.
βMehr brauchen wir nicht.β
Thomasβ Blick ruhte ein letztes Mal auf der Edelstahlstange.
βDannβ¦ ist das der Punkt.β
Vivian antwortete ruhig:
βJa.β
Melanie sagte:
βEndlich.β
Thomas atmete tief ein.
βBis zum Ende.β
Vivian antwortete sofort.
βBis zum Ende.β
Melanie wiederholte es, leise, fest:
βBis zum Ende.β
Mehr Worte hΓ€tten nichts mehr verΓ€ndert.
Die lange, schwere Edelstahlstange blieb im Raum β
als unbeweglicher Mittelpunkt
eines Moments,
in dem niemand mehr auswich
und niemand mehr wartete.
Epilog β Dass sie es tun durfte
Sie gingen langsam, nebeneinander.
Vivian brach das Schweigen zuerst.
βWeiΓt du, was ich mir lange nicht zu sagen getraut habe?β
Melanie sah sie an.
βSag es.β
Vivian atmete tief ein.
βDass ich froh bin.β
Eine kurze Pause.
βNicht nur erleichtert. Wirklich froh.β
Melanie blieb stehen.
βDarΓΌber, dass es vorbei ist?β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βDarΓΌber, dass ich es tun durfte.β
Melanie lieΓ die Worte wirken.
βDu meinstβ¦β
βJaβ, sagte Vivian ruhig.
βDass ich dabei war. Dass ich gefΓΌhrt habe. Dass ich es nicht abgegeben habe.β
Melanie nickte langsam.
βDas habe ich gespΓΌrt.β
Vivian fuhr fort, jetzt fester:
βEs hat sich richtig angefΓΌhlt. Nicht leicht. Nicht sanft. Aber richtig.β
Dann ehrlich:
βIch habe mich stark gefΓΌhlt. Ganz. Genau dort.β
Melanie sah sie lange an.
βIch hatte Angst, dass dich das zerreiΓt.β
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βNein. Es hat mich zusammengefΓΌgt.β
Eine Pause.
βIch habe Papa dabei geliebtβ, sagte Vivian leise.
βUnd genau deshalb bin ich froh, dass ich es war.β
Melanie schluckte.
βIch bin dir dankbarβ, sagte sie.
βNicht nur, weil du es getan hast. Sondern, weil du es tragen konntest.β
Vivian lΓ€chelte.
βIch wollte es tragen.β
Melanie fragte leise:
βUnd du schΓ€mst dich nicht?β
Vivian antwortete ohne ZΓΆgern:
βNein.β
Dann weicher:
βIch respektiere es.β
Stille.
βEr war bei unsβ, sagte Melanie.
βNicht ausgeliefert. Nicht allein.β
Vivian nickte.
βUnd ich bin froh, dass ich diese Rolle hatte.β
Melanie legte ihre Hand auf Vivians Arm.
βDann waren wir eine Familie bis zuletzt.β
Vivian antwortete ruhig:
βUnd ich wΓΌrde es wieder tun.β
Melanie sah sie an.
βJa.β
Sie gingen weiter.
Nicht mit Triumph.
Nicht mit Schuld.
Sondern mit dem stillen Wissen,
dass Vivian es tun durfte,
dass es sie getragen hat,
und dass Familie manchmal genau darin besteht.
Das Vertrauen
βIch muss dir etwas sagenβ, sagte Vivian.
βUnd ich sage es dir nur, weil du mich kennst.β
Ihre Freundin sah sie aufmerksam an.
βDann sag es.β
Vivian zΓΆgerte einen Moment.
βEs geht um meinen Papa.β
Die Freundin nickte.
βOkay.β
βWir haben etwas gefundenβ, begann Vivian langsam.
βNicht gesucht. Aber gesehen.β
Sie atmete tief ein.
βEinen Wunsch. Einen, den er sich selbst kaum erlaubt.β
βWas fΓΌr einen Wunsch?β fragte die Freundin leise.
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βKeinen, den man erklΓ€ren kann.β
Eine Pause.
βEinen nach Klarheit. Nach einem Punkt, an dem nichts mehr offen ist.β
Die Freundin sah sie an.
βUnd du willst ihm helfen.β
Vivian nickte.
βJa.β
Dann ehrlicher:
βIch will, dass er ihn erleben darf.β
βDas klingtβ¦ groΓβ, sagte die Freundin vorsichtig.
βDas ist esβ, antwortete Vivian.
βUnd es macht mir Angst.β
Eine kurze Pause.
βUnd gleichzeitig finde ich es spannend.β
Die Freundin zog die Augenbrauen hoch.
βSpannend?β
Vivian nickte.
βWeil es ehrlich ist. Weil wir nicht mehr ausweichen.β
βUnd wo stehst du dabei?β fragte die Freundin.
Vivian sah auf ihre HΓ€nde.
βZwischen Liebe und Entschlossenheit.β
Dann klarer:
βAber ich habe mich entschieden, nicht mehr wegzusehen.β
Die Freundin schwieg einen Moment.
βWas brauchst du von mir?β
Vivian hob den Blick.
βDass du weiΓt, warum ich so ruhig bin.β
Eine Pause.
βUnd dass du mir sagst, wenn du glaubst, dass ich mich verliere.β
Die Freundin nickte langsam.
βUnd wenn ich glaube, dass du genau du selbst bist?β
Vivian lΓ€chelte schwach.
βDann sag mir das auch.β
βHast du Angst, dass ich dich verurteile?β fragte die Freundin.
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βIch habe Angst, dass ich es allein tragen muss.β
Die Freundin griff nach Vivians Hand.
βDann trΓ€gst du es nicht allein.β
Eine Stille.
βEr weiΓ, dass du davon erzΓ€hlst?β fragte sie.
βJaβ, sagte Vivian.
βIch habe ihm gesagt, dass ich jemanden brauche.β
Die Freundin nickte.
βDann vertraut er dir.β
Vivian antwortete leise:
βUnd ich will dieses Vertrauen nicht enttΓ€uschen.β
Die Freundin drΓΌckte ihre Hand.
βDann bleib ehrlich.β
Eine Pause.
βZu ihm. Und zu dir.β
Vivian atmete aus.
βDanke.β
Die Freundin lΓ€chelte.
βDafΓΌr sind wir da.β
Und zum ersten Mal fΓΌhlte sich das,
was vor ihr lag,
nicht nur schwer an β
sondern getragen.
Der Ort
Die Freundin schwieg einen Moment lΓ€nger als zuvor.
Dann sagte sie vorsichtig:
βIch kenne vielleicht einen Ort.β
Vivian sah auf.
βEinen Ort?β
Sie nickte.
βEinen, an dem man nicht gestΓΆrt wird.β
Eine Pause.
βUnd an dem Dingeβ¦ einen Abschluss bekommen kΓΆnnen.β
Vivian lehnte sich zurΓΌck.
βWas fΓΌr ein Ort?β
βEin alter Platz auΓerhalb der Stadtβ, erklΓ€rte die Freundin.
βVergessen genug, dass niemand fragt, warum man dort ist.β
Leiser:
βUnd ruhig genug, um ehrlich zu sein.β
Vivian dachte nach.
βWarum gerade dort?β
Die Freundin sah sie offen an.
βWeil man dort nichts spielen muss.β
Eine Pause.
βKein Alltag. Keine Rollen.β
Vivian nickte langsam.
βDas klingtβ¦ passend.β
βIch war einmal dortβ, fuhr die Freundin fort.
βNicht fΓΌr etwas Dramatisches. Sondern um nachzudenken.β
Sie lΓ€chelte schwach.
βEs fΓΌhlt sich an, als wΓΌrde der Ort zuhΓΆren.β
Vivian atmete tief ein.
βUnd du glaubst, das wΓ€re richtig fΓΌr ihn?β
βIch glaubeβ, sagte die Freundin ruhig,
βdass es ihm helfen kΓΆnnte, seinen Wunsch ernst zu nehmen.β
Dann sofort:
βNur wenn er es will.β
Vivian nickte.
βNatΓΌrlich.β
Eine Pause.
βDu musst mir nichts versprechenβ, sagte die Freundin.
βIch wollte nur, dass du weiΓt: Es gibt einen Raum dafΓΌr.β
Vivian sah sie an.
βDanke.β
Dann ehrlicher:
βAllein zu wissen, dass es diesen Ort gibt, macht es realer.β
Die Freundin lΓ€chelte.
βManchmal braucht eine Entscheidung einen Platz.β
Vivian stand auf.
βDann erzΓ€hle mir davon.β
Die Freundin nickte.
βWenn du willst.β
Vivian antwortete ruhig, mit einem Hauch Spannung in der Stimme:
βJa. Das will ich.β
Und zum ersten Mal hatte das,
was bisher nur Gedanke gewesen war,
einen Ort β
nicht um etwas zu erzwingen,
sondern um nichts mehr aufzuschieben.
Danach
Einige Zeit spΓ€ter hΓΆrten sie davon.
Nicht durch jemanden, der es genau wusste.
Sondern beilΓ€ufig, wie man von Dingen hΓΆrt, die keinen mehr direkt betreffen.
Der Lostplace war abgebrannt.
βGanz wegβ, sagte jemand.
βDa steht nichts mehr.β
Vivian stand still, als sie es erfuhr.
Nicht erschrocken.
Eher⦠nachdenklich.
βAlso gibt es keine Spuren mehrβ, sagte sie leise.
Melanie nickte.
βNichts, was man finden kΓΆnnte.β
Sie sagten eine Weile nichts.
βKomischβ, murmelte Vivian schlieΓlich.
βIch hΓ€tte gedacht, das fΓΌhlt sich grΓΆΓer an.β
βUnd?β fragte Melanie.
Vivian schΓΌttelte den Kopf.
βEs fΓΌhlt sich abgeschlossen an.β
Der Ort, an dem so viel Bedeutung gelegen hatte,
war nur noch eine ErzΓ€hlung.
Kein Raum.
Keine Ecken.
Keine Dinge, die geblieben waren.
βVielleicht ist das passendβ, sagte Melanie ruhig.
βDass nichts davon konserviert wird.β
Vivian nickte.
βAlles, was wichtig war, ist nicht dort gewesen.β
Eine Pause.
βUnd niemand kann mehr nachsehenβ, fΓΌgte sie hinzu.
βNiemand kann etwas rekonstruieren.β
Melanie sah sie an.
βDas heiΓt nicht, dass es ungeschehen ist.β
βNeinβ, sagte Vivian.
βAber es heiΓt, dass es nicht festgehalten wird.β
Der Wind wehte.
Die Welt ging weiter.
Und der Ort,
der fΓΌr einen Moment alles getragen hatte,
war verschwunden β
ohne Spuren,
ohne Beweise,
ohne ErklΓ€rungen.
Was blieb,
war nie dort gewesen.
